Smalltalk: Nutz die Chance, Dich gut zu verkaufen - James AI

Jeder kennt ihn, aber nicht jeder mag ihn – Smalltalk. Wie oft kommen wir in Situationen, in denen von uns erwartet wird, ein kleines Pläuschchen zu halten. Dieser Beitrag zeigt Dir, dass er nicht nur Zeitverschwendung ist, sondern Du durch ihn sogar profitieren kannst, wenn Du ihn richtig anwendest.

Umfragen haben ergeben, dass Deutsche im Gegensatz zu anderen Landsleuten einem Smalltalk gegenüber abgeneigt sind. Sie empfinden ihn als gezwungen und haben Hemmungen, um mit anderen, die sie überhaupt nicht oder nicht sonderlich gut kennen, entspannt zu plaudern. Dabei kann Smalltalk für uns eine wahre Chance sein, um Kontakte zu knüpfen oder den Gesprächspartner für uns zu gewinnen. 

 

Geeignete Gesprächsthemen für den Einstieg 

 

Welches Thema für unseren Smalltalk zum Einstieg geeignet ist, hängt zum einen von der Person gegenüber und zum anderen von der Situation ab, in der Du Dich gerade eben befindest. 

Mit der Nachbarin im Fahrstuhl würdest Du vermutlich andere Gespräche führen als mit einem potentiellen Partner für Dein Projekt. 

Besonders Menschen gegenüber, die wir noch nie oder recht selten gesehen haben, fällt es uns schwer, ein gutes Thema für ein kleines Schwätzchen zu finden. Deshalb gibt es zum Beispiel die BEAT-Methode, anhand der Du Dich orientieren kannst:

BEAT steht für Beruf, Erholung (Urlaub, Hobbies, Interessen), Angehörige (Familie, Freunde) und Tiefe. So musst Du nicht immer nur über das Wetter, die Anreise oder aktuelle Neuigkeiten in den Nachrichten, die unter Umständen für schlechte Laune sorgen könnten, reden.

Falls Du zu Beginn andere nach ihrem Beruf fragst, werden sie diese Frage mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Dir stellen, so dass Du gegebenenfalls einen neuen Kunden oder gar Geschäftspartner für Dich gewinnen kannst. Für diesen Fall solltest Du unbedingt einen interessanten Gesprächsöffner parat haben, um Dich optimal zu präsentieren. So weckt z.B. der Satz „Wir ersetzen die manuelle Aufgabenplanung durch künstliche Intelligenz” Neugierde und Du kannst darauf aufbauen. Logischerweise muss der erste Satz natürlich auch zu Deinem Business passen. 

Reisen sind darüber hinaus ein willkommenes Thema für einen Plausch, denn Du wirst selten Menschen treffen, die nicht gerne andere Städte und Länder besuchen. Falls Du beruflich viel reist, kannst Du Geschichten und Erlebnisse dazu ebenfalls gut einbauen.

Um Hobbys des anderen zu erfahren, hilft oft die Frage „Was machen Sie gerne in Ihrer Freizeit?”, denn dann geht man puren Spekulationen aus dem Weg und beginnt nicht mit Belanglosigkeiten für den Gesprächspartner.

Beim Thema Angehörige sollte man allerdings differenzieren: Wenn es sich um ein erstes Gespräch handelt oder Du den anderen fast gar nicht kennst, könnten Fragen nach einer Partnerschaft oder Kindern schon zu intim wirken. Stattdessen ist „Haben sie Geschwister?” eher lockerer. 

Seid ihr schon vertrauter und führt jetzt vielleicht ein schon längeres Gespräch, so kann man ruhig weiter in die emotionale Tiefe gehen und den anderen auf persönliche Wünsche, Träume, Werte oder mehr auf die Familie ansprechen. Hier ist allerdings zuweilen Fingerspitzengefühl gefragt, so dass Du die Signale Deines Konversationspartners erkennen solltest, wenn er sich unwohl fühlt und Dich gegebenenfalls abblockt. Falls er dies nicht tut und Du ihn positiv emotional erreichen kannst, ist das ein Zeichen für aufgebautes Vertrauen und Du kannst ihn für Dich gewinnen. 

Darüber hinaus eignen sich Komplimente gut als Einstieg. Auf diese Weise kannst Du die bisherige Zusammenarbeit, die nette Begrüßung, das hübsche Gebäude oder die Einrichtung loben. 

Möchtest Du doch mit der Frage nach dem Wohlergehen des anderen beginnen, so hör ihm auf jeden Fall zu und sei interessiert. Vielleicht geht es ihm nicht sonderlich gut, ist Dir gegenüber ehrlich und freut sich über ein offenes Ohr.

Auf keinen Fall sollte man sich über etwas oder jemanden beschweren. Ansonsten steckt man schnell in der Schublade des Griesgrams oder des Lästerers fest und hinterlässt einen schlechten Eindruck. Bleib also lieber positiv.

 

Tipps für an die Situation angepasste Themen

 

Unterschiedliche Situationen bieten die Möglichkeit für unterschiedliche Themen und dafür, den anderen besser kennenzulernen. So wird der Kontext, nach dem Lieblingsessen zu fragen, ersichtlicher, wenn man zusammen im Restaurant sitzt als bei einem Treffen im Fahrstuhl.

Bei Hochzeiten oder anderen Festivitäten sind die Teilnehmer zumeist lockerer als in geschäftlichen Situationen. In diesen Fällen kannst Du ruhig etwas persönlichere Bereiche ansprechen. Hier bieten sich Fragen nach der Beziehung zum Gastgeber und weiteren Gästen an. 

In Diskotheken und Bars könnte man einen Einstieg über die gespielte Musik, Getränke oder die Lokalität finden. 

Wenn Du Networking-Events besuchst, verfolgst Du genau das Ziel, Menschen dort kennenzulernen und auf Dauer intensivere Kontakte zu knüpfen. Dann kannst Du nach den Motiven für den Besuch der anderen Teilnehmer fragen, was sie sich davon erwarten, ob sie schon bei ähnlichen Veranstaltungen waren oder einfach nach dem Beruf. Das funktioniert ebenfalls bei Messen, Seminaren oder Vorträgen.

Eine typische Situation, in der man oft schon gezwungen wird, Smalltalk zu halten, ist beim Friseur. Bei kurzen Besuchen macht es häufig wenig aus, wenn für ein paar Minuten geschwiegen wird. Solltest Du vielleicht mehrere Stunden dort sein, wäre es wahrscheinlich für beide eher eine Qual, die ganze Zeit schweigsam zu bleiben. Aber genauso hier kannst Du die Situation nutzen und üben, was gut ankommt und was nicht. Auch wenn vielleicht manche Friseure Tratsch mögen, würde ich intervenieren, wenn hier angefangen wird, schlecht über andere zu sprechen. Stattdessen könnte man fragen „Worauf freuen Sie sich?” und falls keine Antwort kommt, eignet sich eine Nachfrage nach dem letzten oder nächsten Urlaub. 

Auch wenn Du denkst, dass einige dieser Unterhaltungen nicht sinnvoll für Dich wären, nutz die Chance, auf andere zuzugehen und Smalltalk zu üben. So wirst Du besser und kannst in wichtigeren Gesprächen punkten. 

 

Weitere Grundlagen für ein positives Gespräch

 

Grundsätzlich zahlt sich Freundlichkeit aus. Du versprühst gute Laune und steckst damit Deine Mitmenschen an. 

Auch bei Fremden kannst Du damit sehr häufig Erfolg haben. Und man weiß nie: Vielleicht sieht man sich ja mindestens noch einmal im Leben.

Ebenfalls ist es eine gute Basis, dem anderen positiv im Gedächtnis zu bleiben, wenn Du dem ihm zuhörst und viel reden lässt. Ellenlange Monologe sind Gift. Durch Interaktionen bleibt die Konzentration beider erhalten und der andere wird sich nicht langweilen.

Darüber hinaus ist aufrichtiges Interesse sehr wichtig und es fällt relativ schnell auf, solltest Du nur halbherzig beim Gespräch dabei sein.

Interessiere Dich aufrichtig für Deinen Gegenüber; Heuchelei fällt auf und wirft ein schlechtes Bild auf Dich. Daher sind Themen gut, die Dich selbst und höchstwahrscheinlich auch Deinen Gesprächspartner interessieren. 

Sei Dir bewusst, dass offene Fragen viel besser als geschlossene sind, denn dadurch erfährst Du zum einen mehr über den Gegenüber und es kommt zum anderen eher ein Gesprächsfluss zu stande. Eine Alternative sind Entscheidungsfragen mit „entweder … oder”.

Da Gemeinsamkeiten Sympathien wecken, geh auf ein Thema intensiver ein, wenn Du ebenfalls wie Dein Gesprächspartner von etwas begeistert bist. So kannst Du gut punkten und es können sich unter Umständen sogar Freundschaften entwickeln.

Vor allem introvertierten Menschen fällt es häufig schwer, mit vorher Unbekannten zu sprechen oder sie anzusprechen. Daher sollten wir uns viel weniger darauf fixieren, was der andere von uns denken könnte, als auf das Interesse und die Neugier am Konversationspartner.

Durch ein freundliches Zunicken oder mithilfe von kurzen zustimmenden Sätzen, wie „Ja, das stimmt.” oder „Da haben Sie Recht”, kannst Du außerdem besser punkten als durch ein bloßes „Hm” oder „Ja”, das schnell wie Gelangweiltsein herüber kommen kann.

 

Gute Geschichten erzählen

 

Viele exzellente Verkäufer beherrschen den Smalltalk so perfekt, dass das Verkaufsgespräch scheinbar nebensächlich fast am Ende des Treffens stattfindet. Wie sie das schaffen? Sie haben gelernt, eine oder mehrere gute Geschichten zu erzählen und fesseln damit andere im Gespräch. Das ist die nächste Ebene, die noch über normalem Smalltalk steht und auf jeden Fall Übung verlangt.

Du musst dem anderen Gefühle im Gespräch vermitteln, nicht bloßen Inhalt. Gelingt es Dir, Deinen Konversationspartner zu unterhalten und seine Emotionen zu wecken, hast Du ihn eben, wie schon oben beschrieben, so gut wie für Dich gewonnen.

Spannung erzeugen, ist ein guter Weg, den Kunden mitzureißen und am Ende im Gedächtnis zu bleiben. Allerdings muss man unterscheiden, ob man eine eigene Geschichte von sich erzählt, oder aktives Storytelling mit einer fiktiven Erzählung gebraucht. Auch das soll dem Kunden ersichtlich sein, da man ansonsten an Authentizität einbüßt und gegebenenfalls als bloßer Schwätzer rüberkommt.

Damit Du eine gute Geschichte aus dem Stegreif erzählen kannst, ist es von Vorteil, wenn Du Dir erst einmal Geschichten aufschreibst, die Dich emotional berührt haben, skurril waren oder die Dich interessant machen. Am besten übst Du sie dann immer wieder. Erzähl sie Deinen Freunden, Bekannten und Deiner Familie, bis Du den Eindruck hast, sie verbessert zu haben und nahezu perfekt zu beherrscht. Anhand der Reaktionen kannst Du sehen, was gut ankommt und was weniger. Vor allem für den Fall, dass der Smalltalk ins Uninteressante für den anderen abzugleiten droht, bist Du gewappnet und kannst womöglich die Sympathie Deines Gegenübers doch noch erlangen.

Da das Thema Storytelling alleine schon ganze Bücher füllt, sehr komplex sein kann und manche beruflich nichts anderes machen, als Storytelling zu einer Marketingstrategie eines Unternehmens zu konzipieren, wird es hier nicht weiter thematisiert. Jedoch muss gesagt werden, dass der Übergang zum Smalltalk fließend sein und das eine zum anderen führen kann.

 

Woran erkenne ich, dass sich mein Konversationspartner langweilt?

 

Besonders, wenn sich der Gesprächspartner langweilt, sollte man unbedingt das Thema wechseln. Nur, wie erkenne ich das?

Neben klaren Anzeichen, wie auf dem Handy spielen, andauernd auf die Uhr schauen oder mit den Finger auf den Tisch pochen, gibt es auch subtilere Hinweise, die Langeweile Deines Gesprächspartners zeigen. So deuten Seufzer, gesenkte Augenlider, wenig Blickkontakt oder starkes Ausatmen auch oft darauf hin, dass es interessantere Gesprächsthemen geben kann.

Auch dann ist das Kind noch nicht in den Brunnen gefallen. Sprich bei solchen Reaktionen einfach etwas anderes an und achte darauf, ob sich die Laune deines Gegenübers verbessert.

Allerdings trifft man auch ab und zu auf Menschen, die entweder überhaupt nicht kommunikativ sind oder aus einem bestimmten Grund, den wir dann zumeist nicht wissen können, einfach nicht reden möchten. Falls wir schon mehrere Male versucht haben, einen Dialog aufzubauen und der andere einfach nicht mit uns reden möchte, ist das in seltensten Fällen unsere Schuld. Besteht nicht die Möglichkeit, uns mit jemand sonstigem zu unterhalten, müssen wir vermutlich ausnahmsweise diese Situation mit wenig Worten durchstehen.  

 

Wie kann ich einen Smalltalk beenden?

 

Solltest Du keine Lust mehr auf das Gespräch haben, bleib trotzdem freundlich. Sag auf Veranstaltungen, dass Du Dich noch ein bisschen umsehen möchtest, jemanden begrüßen möchtest, Dich verabredet hast oder Dir noch etwas zu trinken oder zu essen holst.

Die Ausrede, man müsse kurz auf Toilette, muss nicht erfolgreich sein. Wenn Du Pech hast, wird der andere vor den Örtlichkeiten auf Dich warten.

Manchmal kann es helfen, wenn man den bisherigen Konversationspartner jemand anderem vorstellt, man fragt, ob man jemandem vorgestellt wird oder ob sich der andere noch länger auf der Veranstaltung befindet. Hier kannst Du die Kontaktdaten mit dem Hinweis austauschen, dass man sich später noch einmal treffen kann. Auf diese Weise hinterlässt Du trotzdem einen guten Eindruck und stößt niemandem vor den Kopf. 

 

Dos und Don’ts im Smalltalk

 

Kurz zusammengefasst sind hier noch einmal ein paar Dinge, die Du beim Smalltalk umsetzen oder vermeiden solltest:

 

DOs:

  • lächle während des Gesprächs, übertreib es aber nicht gekünzelt
  • nimm eine offene Körperhaltung ein
  • stell Dich selbst interessant vor (Idee schon vorher ausdenken, auf der Du aufbaust)
  • zeig aufrichtiges Interesse 
  • hör dem anderen zu, sei aufmerksam und lass ihn mehr sprechen, als Du selbst redest
  • finde heraus, was den anderen wirklich interessiert
  • wechsel das Thema, wenn Langeweile im Raum steht 
  • vertiefe gefundene Gemeinsamkeiten
  • informier Dich vor Terminen angemessen über den anderen (z.B. über Soziale Medien oder frag kurz Dritte) 
  • verabschiede Dich höflich

 

Don’ts:

  • spiel Dich nicht die ganze Zeit in den Vordergrund
  • sprich nicht über Politik, Sex oder Religion
  • sprich nicht über Krankheiten (außer Du sitzt im Wartezimmer beim Arzt)
  • Tod ist auch kein geeignetes Thema, es sei denn, Du bist Bestatter
  • beschwer Dich nicht über irgendetwas
  • Besserwisser kommen nicht gut an
  • schau nicht die ganze Zeit auf Dein Handy oder auf Deine Uhr
  • dringe nicht in die körperliche Wohlfühlzone des anderen ein
  • streu keine Gerüchte 
  • gib nicht mit irgendetwas an
  • sprich nicht über Dein Gehalt/frag den anderen nicht danach
  • sprich nicht über Deine Liebesbeziehung
  • gib keine einsilbigen Antworten
  • führe keine (ernsthaften) Diskussionen oder zettel sie an
  • urteile nicht vorschnell (besonders negativ) über andere 

 

Fazit zum Smalltalk als Chance

 

Du merkst also: Mit einer gewissen Strategie, Freundlichkeit, Offenheit, den richtigen Themen und Übung ist es gar nicht so schwer, guten Smalltalk zu führen. Genauso können Empathie, aufrichtiges Interesse am anderen und das Lesen von bestimmten Signalen das Pläuschchen für beide Seiten angenehm gestalten.

Zudem kann Smalltalk als Türöffner für einen neuen Kunden, Partner oder gar Freundschaften dienen. Nutz also Deine Chance und lass Dich auf einen Schwatz mit anderen ein!  

In diesem Sinne wünsche ich Dir viel Spaß beim Netzwerken und Austauschen!

Beste Grüße

Dein Marian

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